{"id":502,"date":"2010-11-24T17:49:12","date_gmt":"2010-11-24T16:49:12","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.bggroteradler.de\/?page_id=502"},"modified":"2022-02-10T23:21:40","modified_gmt":"2022-02-10T22:21:40","slug":"siedlungsgeschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/testhp.bggroteradler.de\/?page_id=502","title":{"rendered":"Die Siedlungsgeschichte der Mark Brandenburg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify\">\nDie Siedlungen der sich in der Mark niederlassenden Ritter sind die heutigen Ritterg\u00fcter, die zum gr\u00f6\u00dften Teile selbstst\u00e4ndige <strong>Gutsbezirke<\/strong> bilden. Die Kolonisten wurden in den alten wendischen D\u00f6rfern oder in Neugr\u00fcndungen angesiedelt. Dieselben entstanden an einem Quell, Teich oder See inmitten der Gemeindeflur und wurden nach dem Unternehmer (z.B. Heinrichsdorf), nach der Umgebung (Buchholz), nach der verlassenen Heimat (Mansfeld) u.s.w. benannt. F\u00fcr das erblich \u00fcberwiesene Land hatten die Einwanderer einen Erbzins (Schuld, mittelhd. schult) an den Landesherrn zu entrichten, der von dem Unternehmer, dem \u201eSchulthei\u00dfen&#8221;, eingezogen wurde; zu Anfang blieben sie aber gew\u00f6hnlich 3-5 Jahre von ihm befreit, erhielten wohl auch Vorschuss an Reisegeld und Saatkorn. Mussten sie Wald roden, so bekamen sie Hufen von doppelter Gr\u00f6\u00dfe und 16 Freijahre; die hier entstandenen D\u00f6rfer sind noch heute an ihren Namen, die auf \u201ewalde&#8221; oder \u201ehagen&#8221; endigen, kenntlich. Der Schulthei\u00df erhielt ein gr\u00f6\u00dferes Gut und war frei vom Erbzins und dem der Kirche zu entrichtenden Garben- und Fleischzehnt; daf\u00fcr war er verpflichtet, dem Markgrafen f\u00fcr den Kriegsfall ein Pferd zu stellen und selbst als leicht bewaffneter Reiter mit ins Feld zu ziehen. Da er sein Gut also eigentlich nur als Lehen besa\u00df, hie\u00df er auch Lehnschulze. Zu seinen Pflichten geh\u00f6rte endlich die niedere Gerichtsbarkeit und die Dorf- und Flurpolizei.<\/p>\n<p>Die <strong>D\u00f6rfer <\/strong>zeigten in der Regel zwei gerade Stra\u00dfen, die an den Enden im spitzen Winkel zusammenliefen und in der Mitte Kirche, Kirchhof und Dorfteich umschlossen. Den H\u00e4usern wurde die Form gegeben, welche die Ansiedler in ihrer Heimat kennen gelernt hatten. So verbreitete sich im nordwestlichen Teile der Mark bis zur Uckermark und s\u00fcdlich bis zur Havel und Spree das <a href=\"wp-content\/uploads\/2010\/11\/saxhaus.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em><span style=\"text-decoration: underline;\">s\u00e4chsische Haus<\/span><\/em><\/a> ,im S\u00fcdwesten dagegen die <a href=\"wp-content\/uploads\/2010\/11\/frankhof.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em><span style=\"text-decoration: underline;\">fr\u00e4nkische Hofanlage<\/span><\/em><\/a>. Die Wenden, die sich im s\u00fcd\u00f6stlichen Teile bis in unsere Zeit unvermischt erhalten haben, schufen eine Hofform, die der fr\u00e4nkischen ziemlich \u00e4hnlich ist. Im Nordosten endlich lehnten sich die Ansiedler an die vorhandenen Formen an, und es entstand das <a href=\"wp-content\/uploads\/2010\/11\/osthaus.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em><span style=\"text-decoration: underline;\">ostdeutsche Haus<\/span><\/em><\/a>. Die Not der zeit hat oftmals die Erbauer gezwungen, sich mit vereinfachten Anlagen zu begn\u00fcgen. Besonders wirkte das auf die fr\u00e4nkische Hofanlage ein; sie erscheint dann als ein mit der L\u00e4ngsseite der Dorfstra\u00dfe zugekehrtes Wohnhaus, dem sich hinterw\u00e4rts ein parallel gestelltes Stall- und Scheunengeb\u00e4ude zugesellt.<\/p>\n<p>Sehr viele der <strong>ehemaligen D\u00f6rfer <\/strong>sind in den K\u00e4mpfen der brandenburgischen F\u00fcrsten mit den Pommern und Polen zerst\u00f6rt worden; andere wurden ein Opfer der Hussiten oder ver\u00f6deten und verfielen durch die Pest. Am furchtbarsten hauste unter ihnen der drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg. Brandenburg glich nach ihm an vielen Orten einer Ein\u00f6de; auf Meilen fand man weder Menschen noch Haustiere. Die fr\u00fcheren \u00c4cker bedeckten sich mit Wald. An solche untergegangenen D\u00f6rfer gemahnen heute noch die Feldmarken, welche als \u201eDorfstellen&#8221; und \u201eW\u00fcstemarken&#8221; bezeichnet werden (bei Belzig allein 65), sowie die \u201ew\u00fcsten Kirchen&#8221;, die man hier und da in Tr\u00fcmmern auf freiem Felde antrifft, z.B. in der Uckermark und bei Drehna.<\/p>\n<p>Auch <strong>Kl\u00f6ster <\/strong>wurden bei der Germanisierung der Mark in gro\u00dfer Zahl gegr\u00fcndet. Die \u00e4ltesten derselben geh\u00f6rten den Pr\u00e4monstratensern. Die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung erlangten jedoch die der Zisterzienser, die \u201emit dem Kreuz in der Linken, mit Axt und Spaten in der rechten, lehrend und ackerbauend, bildend und heiligend&#8221; wirkten und in ihren Kirchen meist herrliche Denkmale der Baukunst hinterlassen haben. In den St\u00e4dten entstanden die Kl\u00f6ster der Franziskaner (\u201egraue M\u00f6nche&#8221;), Dominikaner (\u201eschwarze Br\u00fcder&#8221;) und Augustiner. Nach Einf\u00fchrung der Reformation wurden sie aufgehoben. &#8230;<\/p>\n<p>In der Zeit zwischen 1220 und 1300 entstanden die meisten <strong>St\u00e4dte <\/strong>der Mark. Viele ginge aus wendischen D\u00f6rfern hervor, andere bildeten sich um eine Burg oder ein Kloster, manche wurden neu gegr\u00fcndet. Sie sollten Verkehrsmittelpunkte und Zufluchtsst\u00e4tten der Ansiedler sein. Auch hier erhielten diese bestimmte Hufen zugewiesen; auch hier \u00fcbte, wie auf dem Dorfe der Lehnschulze, anfangs der markgr\u00e4fliche Vogt die niedere Gerichtsbarkeit und die Polizei aus. Sp\u00e4ter gingen diese Rechte auf den rat, der sich aus B\u00fcrgermeistern (Konsuln) und Ratsherren (Senatoren) zusammensetzte, \u00fcber. Zum Sch\u00fctze gegen Feinde umgab man sie mit Mauer, Wall und Graben. Vom Landesherrn wurden ihnen bestimmte Rechte zugesichert, als deren Zeichen manche einen Roland errichteten. So durften die Bewohner Handel und Gewerbe treiben und sich zu Z\u00fcnften und Gilden vereinigen; vor allem besa\u00dfen die St\u00e4dte die Marktgerechtigkeit.<\/p>\n<p>Die Wohnh\u00e4user lehnten sich in ihrer Form an die Typen der Bauernh\u00e4user. Es entstanden aber auch Mischformen, die durch den Giebeleingang mit dem s\u00e4chsischen, durch den Wirtschaftshof mit dem fr\u00e4nkischen zusammenhingen, wozu sich sp\u00e4ter noch die heute herrschende vereinfachte fr\u00e4nkische Hofanlage mit der L\u00e4ngsfront an der Stra\u00dfe gesellte. Sie bildeten, eng zusammenstehend, rechtwinklige Viertel, zwischen denen Stra\u00dfen nach den Toren und dem Marktplatze f\u00fchrten. Auf dem letzteren stand das meist stattliche und kunstvolle Rathaus mit den gemeinsamen Verkaufshallen der Z\u00fcnfte, den Scharren. Auf anderen freien Pl\u00e4tzen erhoben sich die Kirchen, unter denen viele noch jetzt unsere Bewunderung erregen. Vor den Toren errichtete man Spit\u00e4ler f\u00fcr die Wanderer, die deren Besch\u00fctzerin, der heiligen Gertrud, geweiht waren, und f\u00fcr die mit ansteckenden Krankheiten Behafteten, die man nach dem heiligen Georg, dem Schutzheiligen der Kreuzfahrer, durch welche der Aussatz nach Deutschland gebracht worden war, benannte. Die Verbrecher wurden auf den Galgenbergen hingerichtet. &#8230;.<\/p>\n<p>Im 16. Jh. h\u00f6rten die St\u00e4dte auf, wehrhafte Festen zu sein; der Schutz der Mark wurde den Landesfestungen \u00fcbertragen. Seitdem gerieten die Mauern an vielen Orten in Verfall.<\/p>\n<p style=\"font-style:italic; font-size:10px; text-align: right;\">Quelle: Beuermann\/Heinze: Landeskunde Preu\u00dfens: Die Provinz Brandenburg, Verlag Spemann, Berlin &amp; Stuttgart 1901<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Siedlungen der sich in der Mark niederlassenden Ritter sind die heutigen Ritterg\u00fcter, die zum gr\u00f6\u00dften Teile selbstst\u00e4ndige Gutsbezirke bilden. Die Kolonisten wurden in den alten wendischen D\u00f6rfern oder in Neugr\u00fcndungen angesiedelt. Dieselben entstanden an einem Quell, Teich oder See inmitten der Gemeindeflur und wurden nach dem Unternehmer (z.B. Heinrichsdorf), nach der Umgebung (Buchholz), nach der verlassenen Heimat (Mansfeld) u.s.w. benannt. 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